Interview

mit den drei

Vertrauenspersonen

Vertrauenspersonen der BI-Pfannenstiel: Sebastian Schughart, Angelika Krüger und Volker Zipfel (v.l.n.r.)

Interview mit den drei Vertrauenspersonen der Bürgerinitiative Pfannenstiel

>>> Wer ist die Bürgerinitiative Pfannenstiel?

Angelika Krüger: Wir sind Bürgerinnen und Bürger aus Kenzingen – der Kernstadt und allen Ortsteilen. Wir sind derzeit 229 Mitglieder und setzen uns für einen Bürgerentscheid zu der Frage, ob der Pfannenstil bebaut werden soll, ein.

>>> Was sind die Ziele der BI-Pfannenstiel?

Volker Zipfel: Wir möchten, dass der Pfannenstiel in seiner jetzigen Form erhalten bleibt. Mit unserer klaren Botschaft „JA zum Erhalt unserer Kenzinger Natur-Perle Pfannenstiel“ wollen wir alle Bürgerinnen und Bürger in einem Bürgerentscheid dazu aufrufen, über den Erhalt dieser einzigartigen Naturlandschaft und unseres sehenswerten Ortseingangs abzustimmen.

Sebastian Schughart: Wir möchten, dass die Bürgerinnen und Bürger die Wahl haben. Hierzu gibt es das demokratische Instrument, einen Gemeinderatsbeschluss durch einen Bürgerentscheid aufzuheben.

>>> Wie läuft ein Bürgerentscheid ab?

Schughart: Es gibt 3 Stufen. In der 1. Stufe müssen 7% der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger das Bürgerbegehren mit ihrer Unterschrift unterstützen. In der 2. Stufe erfolgt die formale Kenntnisnahme des Gemeinderats. In der 3. Stufe werden die Bürgerinnen und Bürger an die Wahlurne gebeten.

Krüger: Wir sind derzeit in der 1. Stufe, die noch bis Ende Oktober andauert. Bis dahin müssen wir die Stimmen von mindestens 600 Bürgern und Bürgerinnen einsammeln. Dabei sind wir als Bürgerinitiative derzeit sehr erfolgreich und sind begeistert von dem großen Zuspruch.

>>> Spannend wird dann die letzte Stufe?

Zipfel: Genau – dann erfolgt die Wahl. Die Stadtverwaltung organisiert und führt diese durch. Wie bei anderen Wahlen auch.

Krüger:
Abgestimmt wird über die Frage, ob der Beschluss des Gemeinderats, den Pfannenstiel zu bebauen, zurückgenommen werden soll.

Schughart:
Wenn die Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt des Pfannenstiels stimmen wollen, müssen sie die Wahlfrage mit „JA“ beantworten. Bei mindestens 1.650 – JA-Stimmen ist die Hürde von 20% erreicht, damit die Wahl überhaupt Gültigkeit hat. Danach entscheidet die Mehrheit der Stimmen.

Zipfel:
Ich glaube fest daran, dass den Kenzingern und Kenzingerinnen diese Frage wichtig ist und wir eine hohe Wahlbeteiligung haben werden. Die Wahl wird voraussichtlich im Frühjahr 2022 stattfinden.

>>> Ist es nicht so, dass der Gemeinderat auch seinen Beschluss zurücknehmen kann?

Schughart: Ja, in der Stufe 2 könnte der Gemeinderat seinen eigenen Beschluss zurücknehmen. Das ist gar nicht so abwegig, wenn beispielsweise über 1.000 Unterschriften zusammenkommen, wäre das ein klares Signal an den Gemeinderat, seine Entscheidung zu überdenken.

Zipfel: Wenn der Gemeinderat seine Entscheidung zurücknimmt, kommt es auch zu keiner Wahl und der Pfannenstiel bleibt unbebaut.

>>> Gibt es einen Austausch zwischen den Gemeinderatsfraktionen und der BI?

Schughart: Bisher leider noch nicht. Wir sind offenen für Gespräche mit allen Fraktionen und würden uns über eine Einladung freuen.

>>> Was sind die Folgen der heute bekannten Bebauung?

Zipfel: Es sollen 450 Wohneinheiten gebaut werden. Auf der Fläche des Pfannenstieles wäre dies eine sehr dichte Bebauung. Die geplante Einwohnerzahl von 1.000 übertrifft die von Hecklingen. 450 Wohneinheiten bedeuten auch 650 Stellplätze für PKWs. Es wird viel zusätzlichen Verkehr geben. Besonders auf den jetzt schon belasteten Straßen im Breitenfeld, der Offenburger Straße und der Hauptstraße.

Schughart:
Wir verlieren eine einzigartige Naturlandschaft. Ich selbst nutze den Pfannenstiel regelmäßig zum Spazierengehen mit meiner Familie – das möchte ich zukünftig auch noch genießen.

Krüger: Für die Gemeinde werden hohe Folgekosten entstehen, unter anderem durch neue Umgehungsstraßen, Kindergärten und den nötigen Erweiterungen der Kläranlage und Trinkwasserversorgung. Leider kann die Stadt Kenzingen diese nicht wie sonst üblich durch Grundstücksverkäufe gegenfinanzieren – alle Flächen sind im Besitz der Investoren.

Zipfel:
Wir stellen auch fest, dass vielen Kenzingern und Kenzingerinnen die ästhetischen Aspekte wichtig sind. Der sehr schöne Ortseingang ginge für immer verloren. Möchten wir zukünftig von einer Betonlandschaft begrüßt werden? Der ideelle Wert des Pfannenstiels ist unbezahlbar.

>>> Welchen Einfluss auf die Umwelt hätte die Bebauung?

Krüger: Der Pfannenstiel ist eine der ökologisch wertvollsten Flächen in Kenzingen. Er bietet neben einer Artenvielfalt von selten Tieren und Pflanzen auch einen Schutz vor Hochwasser und versorgt Kenzingen im Sommer mit kühler Frischluft.

Schughart: Der Beschluss des Gemeinderats fällt aus der Zeit. Die Versiegelung von Flächen, Wohnbebauung in exklusiver und teurer Hanglange, sind ausgerichtet an den Ansprüchen von Investoren. Wenige profitieren, viele Kenzinger und Kenzingerinnen verlieren.

Zipfel: Das gleiche Problem sehe ich im Breitenfeld V. Hier muss darauf geachtet werden, dass ein Großteil der Flächen tatsächlich Kenzingerinnen und Kenzingern zugutekommt. Die jetzige Planung weist große Parallelen zur Bauplanung des Pfannenstieles auf und ist am Bedarf der Bestandsbürger vorbeigeplant.

Fotos & Bilder von Hans-Jürgen van Akkeren und Envato Elements